Ex Libris (Buchtipps)

Ex Libris (Buchtipps)

Weihnachten naht... :)

Falls ihr noch auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken seid - für jemand anderen oder für euch selbst - hier sind einige Bücher, die ich im gerade zu Ende gehenden Jahr gelesen habe. Sie haben allesamt mehr oder weniger mit dem Radfahren zu tun, sind zwar teilweise nicht brandaktuell aber alle zusammen absolut lesens- und ansehenswert!

Rennradfieber

"Rennradfieber - Lust und Leidenschaft auf dünnen Reifen. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eines schnellen Sports" - herausgegeben von Othmar Pruckner und Wolfgang Gerlich

Bereits letztes Jahr im Falter Verlag erschienen, sagt der Untertitel eigentlich alles, was man über dieses Buch wissen muss. Rund 250 großformatige Seiten, vollgepackt mit kurzen Geschichten über die unterschiedlichsten Aspekte unseres geliebten Radsports. Unter den Autoren finden sich alte Bekannte, Prominente und - für mich ist das jedenfalls ein zusätzliches Zuckerl - jede Menge Freunde aus Wien - näher dran an der Geschichte war man also selten...

Thematisch könnte der Blumenstrauß bunter nicht sein: Österreichischer Radsport in der Vergangenheit und Gegenwart, Spielarten des Radler-Daseins von Rennrad über Cyclocross bis zum Randonnée, Gefühle und sehr persönliche Erlebnisse, die einzelne von uns mit dem Radfahren verbinden und technische Einblicke vom Rad an sich bis hin zu elektronischen Gadgets. Die Autoren scheuen dabei auch nicht vor sperrigen oder schwierigen Themen wie "Doping im Hobbyradsport" oder persönlichen Verlusten zurück. Garniert sind die Geschichten mit hervorragenden Bildern und Aufnahmen - auch hier wird man das eine oder andere bekannte Gesicht oder eine schon mal durchmessene Kurve entdecken. Besonders hervorzuheben ist die bildgewaltige Serie von Philipp Forstner - hier ist kein erklärender Text notwendig.

Wer an sämtlichen Facetten des Radsports interessiert ist, findet an den kurzweiligen Geschichten jedenfalls schnell Gefallen. Ich habe auch jene Kapitel aufmerksam aufgesogen, die mich ob ihrer Überschrift jetzt nicht unbedingt angelockt hätten - für mich ein eindeutiges Qualitätsmerkmal. Auch Nicht-RadfahrerInnen nützen die im Buch skizzierten Einblicke in die Radler-Seele, können sie doch den einen oder anderen Grund erklären, weshalb wir alle dem "Rennradfieber" verfallen sind!

Legends of Steel - Bengt Stiller

Bengt Stiller ist Fotograf aus Hamburg und lebt derzeit in Wien. Als leidenschaftlicher Radfahrer und Fotograf hat er mit "Legends of Steel" seine beiden Vorlieben verbunden und letztes Jahr einen mächtigen Bildband über Stahlräder, legendäre Rennen und Rahmenbauer vorgelegt.

Wo Stahlräder noch verehrt werden, zeigt sich anschaulich in den Kapiteln über die italienische Institution "L´Eroica", dem Rennen durch die Toskana auf alten Stahlrennern. Die Veranstaltung hat in den letzten Jahren eine enorme Anhängerschaft gefunden, mittlerweile existieren zahlreiche Ableger in allen Teilen der Welt. Als österreichisches Pendant wird auch die großartige "In Velo Veritas" mit einem eigenen Kapitel gewürdigt, in der jedes Jahr ein anderer Abschnitt des Weinviertels unter die - teils mehrere Jahrezente alten - Reifen genommen wird.

Nicht unbedingt mit alten Stahlrädern wird Paris - Roubaix in Verbindung gebracht - die Königin der Frühjahrsklassiker. An Emotion, Tradition und Pathos wird Paris-Roubaix allerdings von keiner Veranstaltung getoppt. Der Autor weiß in diesem Fall wovon er spricht, ist er doch selbst das Hobby-Rennen mitgefahren. Einem anderen Mythos wird ebenso bildgewaltig Tribut gezollt - dem Mont Ventoux. Mythenumranktes Ungetüm mitten in der französischen Provence.

Wer Interesse an der Arbeit von Bengt Stiller hat, dem bietet sich im Radlager noch bis 23.12.2016 die Möglichkeit, die dort ausgestellten Bilder der Reihe "RUHEPULS: 180" zu bestaunen.

Der Schweiß der Götter - Benjo Maso

Der Untertitel verspricht nicht weniger als die Aufarbeitung der "Geschichte des Radsports" - ein hehres Ziel! Und so beginnt das Buch auch bei den Anfängen des Radfahrens und des Radsports, beschreibt - als Ergebnis einer sichtlich detaillierten Recherche des Autors - sehr genau die Rahmenbedingungen und Umstände, unter denen die ersten Rad-Wettfahrten abgehalten wurde. Keineswegs mit dem Prestige heutiger Sportveranstaltungen vergleichbar, wurden die Rennfahrer über unmenschliche Distanzen, auf fragwürdigen Wegen und unter unwürdigen Strapazen quer durch ganze Länder geschickt - die damaligen Etappen mit einer Länge von mehreren 100 Kilometern.

Rivalitäten zwischen Fahrern und Nationen stehen schon damals auf der Tagesordnung, es sind einzelne Ereignisse, die bekannte Namen hervorbringen - Namen, die noch heute bei jedem Radsportfan die Augen aufflackern lassen. Zur Mythenbildung trägt auch die Tatsache bei, dass Ereignisse nicht wirklich objektiv und ausreichend dokumentiert sind, mündliche Weitergabe verbunden mit dem Stille-Post-Prinzip überhöht so manchen Sachverhalt.

Ökonomische Interessen, zunehmende Professionalisierung und die spätere Zuhilfenahme leistungssteigernder Mittel bilden den Erzählstrang für den Radsport der Gegenwart.

Das Buch enthält zahlreiche spannende Fakten und Anekdoten, die einen tieferen Einblick in die Entwicklung des Radsport geben und so dazu beitragen, dass mancher Sachverhalt vielleicht etwas besser verstanden und eingeordnet werden kann. Andere Informationen können vielleicht maximal in einem Rad-Quiz nützlich sein, haben aber keinen direkten Einfluss auf die Geschichte. Andererseits, die Geschichte von Eugène Christophe, der bei der Tour de France 1913 bei der Abfahrt vom Tourmalet einen Gabelbruch erlitt, über 10 Kilometer zur nächsten Schmiede ging, dort eigenhändig seine Gabel im Feuer der Schmiede reparierte und dann obendrein noch bestraft wurde, weil ein Junge für ihn den Blasebalg bediente (und fremde Hilfe verboten war)... - solche Geschichten kann man nicht erfinden. Und wenn doch, dann wollen wir bitte in dieser Illusion gelassen werden!

Gironimo! - Tim Moore

Der Autor stöbert in der Historie des Radsports und stößt auf das vermeintlich härteste Radrennen, das jemals ausgetragen wurde - den Giro d´Italia von 1914. Der Plan ist schnell gereift, 100 Jahre später will Tim Moore mit Original-Equipment die damalige Strecke nachfahren.

Es beginnt eine Odysee durch Radläden, Flohmärkte und Sammlerbörsen - immer auf der Suche nach den richtigen (alten) Radteilen, der Zusammenbau ist eine Geschichte für sich - Tim Moores begrenztes Schraubertalent trägt zum Gaudium des Lesers bei - Familienkrisen inklusive.

Einmal auf dem Rad stößt Moore schnell an seine Grenzen - waren die damaligen Giro-Etappen doch mehrere hundert Kilometer lang - und "mehrere" steht in diesem Fall nicht für 200 sondern für 500 Kilometer! Die Routenwahl stellt ihn vor große Herausforderungen, da vom Giro 1914 nur fragmentarische Aufzeichnungen existieren. Als die eigentlichen Herausforderungen stellen sich jedoch ohnehin eher italienische Autofahrer, Mücken und enge Hosen heraus - jeweils unterhaltsam beschrieben, sodass man froh ist, nicht in seiner Haut zu stecken.

Was das Fahrrad betrifft, stellt sich heraus, dass das alte Material mehr aushält als befürchtet. Einzig ein gebrochener Sattel, Bremsbeläge, die sich nach einigen Bremsungen aufgelöst haben und der einzige vorhandene Gang (heute würde man Singlespeed sagen) begleiten den Leser auf der gesamten Reise.

Moore orientiert sich bei seinem persönlichen Giro an dem Sieger von 1914 Alfonso Calzolari und vergleicht deren beider Situation auf jeder Etappe. Der Rückstand von Moore auf seinen Konkurrenten - der das Rennen 100 Jahre vor ihm fährt - wächst mit jedem Tag kontinuierlich, sodass die Leistungen der Fahrer von damals absolut unmenschlich erscheinen.

Das Buch ist sehr unterhaltsam geschrieben und liest sich dementsprechend auch sehr kurzweilig und schnell. Einzig die Be- und Erschaffung des Rades ist meiner Meinung nach etwas zu lang und detailliert beschrieben, aber rollt man erst einmal mit Moore durch Italien, nimmt auch der Lesespaß schnell wieder an Fahrt auf!

Bekenntnisse eines Nachtsportlers - Wigald Boning

Im Zuge des Versuchs meiner Mutter, mein Hobby zu verstehen, hat sie mir die "Bekenntnisse eines Nachtsportlers" von Wigald Boning geschenkt. Wigald Boning? War das nicht der deutsche Komiker? Komisch angezogen? Seltsamer Humor? Und da war noch diese Band "Die Doofen"... Alles nicht so wirklich mein Ding. Dementsprechend lange ist das Buch ungelesen auf meinem Nachttisch gelegen. Doch man lässt sich ja gerne vom Gegenteil überzeugen! Fakt ist, Boning ist als Autor extrem gewitzt und wortgewandt - keine Spur von plattem Humor oder konfusem Sprechdurchfall.

Boning beschließt im Jahr 2000 - während er Heike Drechsler bei Olympia Gold gewinnen sieht, dass er von der Couch aufstehen und Sport machen wird. Was danach folgt? Laufversuche, Marathontraining, Marathons, Ultraläufe, Berglauf, Ski-Langlauf über 50 km, Bergläufe mit Spitzensportlern, laufende Alpenüberquerungen, 24-Stunden Mountainbike-Rennen und und und.

Er erzählt humorvoll und unterhaltsam, wie er seine Trainingseinheiten aus Zeitgründen in die Nacht verlegt, vor dem Frühstück auf einen Berg läuft, während Drehtagen in Hotels im Stiegenhaus seine Trainingseinheiten absolviert und was für Folgen das alles für sein Privat- und Berufsleben hat. Große Empfehlung, ich war sehr positiv überrascht!

Weihnachtseinkauf?

Für den Fall, dass euch meine Leseempfehlungen ansprechen und ihr das eine oder andere Buch kaufen wollt, möchte ich noch Folgendes loswerden:

Ich bin keineswegs Amazon-Hasser - manchmal hat das durchaus auch seine Vorteile - aber beim Radkauf gibt es die Devise "Support your LBS". Heißt es dort "Local Bike Shop", möchte ich daraus "Local BOOK Shop" machen. Es gibt zahlreiche Buchläden in Wien und Umgebung, die nur darauf warten, euch mit literarischen und lyrischen Schmankerln zu versorgen - nützt diese Möglichkeit!

In Wien existiert für uns Radfreunde außerdem ein besonderes Kleinod - die "Buchhandlung im Stuwerviertel". Die Jungs dort haben große Freunde am Radfahren und sorgen auch dafür, dass immer genug Radsport- und Fahrradbücher für uns auf Lager sind. Schaut bei ihnen in der Stuwerstraße oder auf Facebook vorbei - sie freuen sich darauf, euch bei euren Besorgungen zur Seite zu stehen!

flowsports Schwimmkurs

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Selbsthilfegruppe Radaufbewahrung

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