Ex Libris (Buchtipps)

Weihnachten naht... :)

Falls ihr noch auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken seid - für jemand anderen oder für euch selbst - hier sind einige Bücher, die ich im gerade zu Ende gehenden Jahr gelesen habe. Sie haben allesamt mehr oder weniger mit dem Radfahren zu tun, sind zwar teilweise nicht brandaktuell aber alle zusammen absolut lesens- und ansehenswert!

Rennradfieber

"Rennradfieber - Lust und Leidenschaft auf dünnen Reifen. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eines schnellen Sports" - herausgegeben von Othmar Pruckner und Wolfgang Gerlich

Bereits letztes Jahr im Falter Verlag erschienen, sagt der Untertitel eigentlich alles, was man über dieses Buch wissen muss. Rund 250 großformatige Seiten, vollgepackt mit kurzen Geschichten über die unterschiedlichsten Aspekte unseres geliebten Radsports. Unter den Autoren finden sich alte Bekannte, Prominente und - für mich ist das jedenfalls ein zusätzliches Zuckerl - jede Menge Freunde aus Wien - näher dran an der Geschichte war man also selten...

Thematisch könnte der Blumenstrauß bunter nicht sein: Österreichischer Radsport in der Vergangenheit und Gegenwart, Spielarten des Radler-Daseins von Rennrad über Cyclocross bis zum Randonnée, Gefühle und sehr persönliche Erlebnisse, die einzelne von uns mit dem Radfahren verbinden und technische Einblicke vom Rad an sich bis hin zu elektronischen Gadgets. Die Autoren scheuen dabei auch nicht vor sperrigen oder schwierigen Themen wie "Doping im Hobbyradsport" oder persönlichen Verlusten zurück. Garniert sind die Geschichten mit hervorragenden Bildern und Aufnahmen - auch hier wird man das eine oder andere bekannte Gesicht oder eine schon mal durchmessene Kurve entdecken. Besonders hervorzuheben ist die bildgewaltige Serie von Philipp Forstner - hier ist kein erklärender Text notwendig.

Wer an sämtlichen Facetten des Radsports interessiert ist, findet an den kurzweiligen Geschichten jedenfalls schnell Gefallen. Ich habe auch jene Kapitel aufmerksam aufgesogen, die mich ob ihrer Überschrift jetzt nicht unbedingt angelockt hätten - für mich ein eindeutiges Qualitätsmerkmal. Auch Nicht-RadfahrerInnen nützen die im Buch skizzierten Einblicke in die Radler-Seele, können sie doch den einen oder anderen Grund erklären, weshalb wir alle dem "Rennradfieber" verfallen sind!

Legends of Steel - Bengt Stiller

Bengt Stiller ist Fotograf aus Hamburg und lebt derzeit in Wien. Als leidenschaftlicher Radfahrer und Fotograf hat er mit "Legends of Steel" seine beiden Vorlieben verbunden und letztes Jahr einen mächtigen Bildband über Stahlräder, legendäre Rennen und Rahmenbauer vorgelegt.

Wo Stahlräder noch verehrt werden, zeigt sich anschaulich in den Kapiteln über die italienische Institution "L´Eroica", dem Rennen durch die Toskana auf alten Stahlrennern. Die Veranstaltung hat in den letzten Jahren eine enorme Anhängerschaft gefunden, mittlerweile existieren zahlreiche Ableger in allen Teilen der Welt. Als österreichisches Pendant wird auch die großartige "In Velo Veritas" mit einem eigenen Kapitel gewürdigt, in der jedes Jahr ein anderer Abschnitt des Weinviertels unter die - teils mehrere Jahrezente alten - Reifen genommen wird.

Nicht unbedingt mit alten Stahlrädern wird Paris - Roubaix in Verbindung gebracht - die Königin der Frühjahrsklassiker. An Emotion, Tradition und Pathos wird Paris-Roubaix allerdings von keiner Veranstaltung getoppt. Der Autor weiß in diesem Fall wovon er spricht, ist er doch selbst das Hobby-Rennen mitgefahren. Einem anderen Mythos wird ebenso bildgewaltig Tribut gezollt - dem Mont Ventoux. Mythenumranktes Ungetüm mitten in der französischen Provence.

Wer Interesse an der Arbeit von Bengt Stiller hat, dem bietet sich im Radlager noch bis 23.12.2016 die Möglichkeit, die dort ausgestellten Bilder der Reihe "RUHEPULS: 180" zu bestaunen.

Der Schweiß der Götter - Benjo Maso

Der Untertitel verspricht nicht weniger als die Aufarbeitung der "Geschichte des Radsports" - ein hehres Ziel! Und so beginnt das Buch auch bei den Anfängen des Radfahrens und des Radsports, beschreibt - als Ergebnis einer sichtlich detaillierten Recherche des Autors - sehr genau die Rahmenbedingungen und Umstände, unter denen die ersten Rad-Wettfahrten abgehalten wurde. Keineswegs mit dem Prestige heutiger Sportveranstaltungen vergleichbar, wurden die Rennfahrer über unmenschliche Distanzen, auf fragwürdigen Wegen und unter unwürdigen Strapazen quer durch ganze Länder geschickt - die damaligen Etappen mit einer Länge von mehreren 100 Kilometern.

Rivalitäten zwischen Fahrern und Nationen stehen schon damals auf der Tagesordnung, es sind einzelne Ereignisse, die bekannte Namen hervorbringen - Namen, die noch heute bei jedem Radsportfan die Augen aufflackern lassen. Zur Mythenbildung trägt auch die Tatsache bei, dass Ereignisse nicht wirklich objektiv und ausreichend dokumentiert sind, mündliche Weitergabe verbunden mit dem Stille-Post-Prinzip überhöht so manchen Sachverhalt.

Ökonomische Interessen, zunehmende Professionalisierung und die spätere Zuhilfenahme leistungssteigernder Mittel bilden den Erzählstrang für den Radsport der Gegenwart.

Das Buch enthält zahlreiche spannende Fakten und Anekdoten, die einen tieferen Einblick in die Entwicklung des Radsport geben und so dazu beitragen, dass mancher Sachverhalt vielleicht etwas besser verstanden und eingeordnet werden kann. Andere Informationen können vielleicht maximal in einem Rad-Quiz nützlich sein, haben aber keinen direkten Einfluss auf die Geschichte. Andererseits, die Geschichte von Eugène Christophe, der bei der Tour de France 1913 bei der Abfahrt vom Tourmalet einen Gabelbruch erlitt, über 10 Kilometer zur nächsten Schmiede ging, dort eigenhändig seine Gabel im Feuer der Schmiede reparierte und dann obendrein noch bestraft wurde, weil ein Junge für ihn den Blasebalg bediente (und fremde Hilfe verboten war)... - solche Geschichten kann man nicht erfinden. Und wenn doch, dann wollen wir bitte in dieser Illusion gelassen werden!

Gironimo! - Tim Moore

Der Autor stöbert in der Historie des Radsports und stößt auf das vermeintlich härteste Radrennen, das jemals ausgetragen wurde - den Giro d´Italia von 1914. Der Plan ist schnell gereift, 100 Jahre später will Tim Moore mit Original-Equipment die damalige Strecke nachfahren.

Es beginnt eine Odysee durch Radläden, Flohmärkte und Sammlerbörsen - immer auf der Suche nach den richtigen (alten) Radteilen, der Zusammenbau ist eine Geschichte für sich - Tim Moores begrenztes Schraubertalent trägt zum Gaudium des Lesers bei - Familienkrisen inklusive.

Einmal auf dem Rad stößt Moore schnell an seine Grenzen - waren die damaligen Giro-Etappen doch mehrere hundert Kilometer lang - und "mehrere" steht in diesem Fall nicht für 200 sondern für 500 Kilometer! Die Routenwahl stellt ihn vor große Herausforderungen, da vom Giro 1914 nur fragmentarische Aufzeichnungen existieren. Als die eigentlichen Herausforderungen stellen sich jedoch ohnehin eher italienische Autofahrer, Mücken und enge Hosen heraus - jeweils unterhaltsam beschrieben, sodass man froh ist, nicht in seiner Haut zu stecken.

Was das Fahrrad betrifft, stellt sich heraus, dass das alte Material mehr aushält als befürchtet. Einzig ein gebrochener Sattel, Bremsbeläge, die sich nach einigen Bremsungen aufgelöst haben und der einzige vorhandene Gang (heute würde man Singlespeed sagen) begleiten den Leser auf der gesamten Reise.

Moore orientiert sich bei seinem persönlichen Giro an dem Sieger von 1914 Alfonso Calzolari und vergleicht deren beider Situation auf jeder Etappe. Der Rückstand von Moore auf seinen Konkurrenten - der das Rennen 100 Jahre vor ihm fährt - wächst mit jedem Tag kontinuierlich, sodass die Leistungen der Fahrer von damals absolut unmenschlich erscheinen.

Das Buch ist sehr unterhaltsam geschrieben und liest sich dementsprechend auch sehr kurzweilig und schnell. Einzig die Be- und Erschaffung des Rades ist meiner Meinung nach etwas zu lang und detailliert beschrieben, aber rollt man erst einmal mit Moore durch Italien, nimmt auch der Lesespaß schnell wieder an Fahrt auf!

Bekenntnisse eines Nachtsportlers - Wigald Boning

Im Zuge des Versuchs meiner Mutter, mein Hobby zu verstehen, hat sie mir die "Bekenntnisse eines Nachtsportlers" von Wigald Boning geschenkt. Wigald Boning? War das nicht der deutsche Komiker? Komisch angezogen? Seltsamer Humor? Und da war noch diese Band "Die Doofen"... Alles nicht so wirklich mein Ding. Dementsprechend lange ist das Buch ungelesen auf meinem Nachttisch gelegen. Doch man lässt sich ja gerne vom Gegenteil überzeugen! Fakt ist, Boning ist als Autor extrem gewitzt und wortgewandt - keine Spur von plattem Humor oder konfusem Sprechdurchfall.

Boning beschließt im Jahr 2000 - während er Heike Drechsler bei Olympia Gold gewinnen sieht, dass er von der Couch aufstehen und Sport machen wird. Was danach folgt? Laufversuche, Marathontraining, Marathons, Ultraläufe, Berglauf, Ski-Langlauf über 50 km, Bergläufe mit Spitzensportlern, laufende Alpenüberquerungen, 24-Stunden Mountainbike-Rennen und und und.

Er erzählt humorvoll und unterhaltsam, wie er seine Trainingseinheiten aus Zeitgründen in die Nacht verlegt, vor dem Frühstück auf einen Berg läuft, während Drehtagen in Hotels im Stiegenhaus seine Trainingseinheiten absolviert und was für Folgen das alles für sein Privat- und Berufsleben hat. Große Empfehlung, ich war sehr positiv überrascht!

Weihnachtseinkauf?

Für den Fall, dass euch meine Leseempfehlungen ansprechen und ihr das eine oder andere Buch kaufen wollt, möchte ich noch Folgendes loswerden:

Ich bin keineswegs Amazon-Hasser - manchmal hat das durchaus auch seine Vorteile - aber beim Radkauf gibt es die Devise "Support your LBS". Heißt es dort "Local Bike Shop", möchte ich daraus "Local BOOK Shop" machen. Es gibt zahlreiche Buchläden in Wien und Umgebung, die nur darauf warten, euch mit literarischen und lyrischen Schmankerln zu versorgen - nützt diese Möglichkeit!

In Wien existiert für uns Radfreunde außerdem ein besonderes Kleinod - die "Buchhandlung im Stuwerviertel". Die Jungs dort haben große Freunde am Radfahren und sorgen auch dafür, dass immer genug Radsport- und Fahrradbücher für uns auf Lager sind. Schaut bei ihnen in der Stuwerstraße oder auf Facebook vorbei - sie freuen sich darauf, euch bei euren Besorgungen zur Seite zu stehen!

Selbsthilfegruppe Radaufbewahrung

Ein Balanceakt zwischen Flohmarkt und Beziehungskrise.

Es ist ein Drama mit den ganzen Rädern, Reifen, Laufrädern, Lenkern, Pedalen, Cleats, tausenden Schrauben, Abdeckkapperln, Zügen, Hüllen, Ritzeln, Ketten, Flaschenhaltern, Bremsbelägen und den Tonnen von Werkzeug.

Ich besitze 1, 2, 3, 4, 5, 6 Räder. Jedes davon ist (natürlich) unbedingt notwendig und hat seine Existenzberechtigung. Ich habe außerdem einen - trotz halbwegs regelmäßiger Sortiererei - unüberschaubaren Haufen an Radteilen, wobei ich bei manchen Einzelstücken nicht mehr genau sagen kann, ob das einmal an ein Rad geschraubt war oder vielleicht doch dazu dienen soll, einen IKEA-Kasten an der Wand zu befestigen. Fakt ist, alles das braucht Platz - Platz, den ich in einer durchnschnittlichen Wiener Wohnung nicht habe.

Gehen wir es der Reihe nach durch:

  • Mein Standard-Rennrad ist allzeit bereit für eine Ausfahrt und hat Zuflucht im Vorzimmer gesucht - immer in der Nähe der Wohnungstür, jederzeit zur Stelle und schnell bereit.
  • Der Crosser steht gleich daneben - im Winter auch immer zur Stelle, wenn es nass, dreckig und kalt ist. Wie sich vor allem "nass und dreckig" nach der Rückkehr in der Wohnung manifestieren, darauf kommen wir vielleicht noch ein andermal.
  • Ein weiteres Rennrad ("Ein Klassiker aus den 90ern") darf den blauen Trainerreifen tragen, als Insignie für zahlreiche Stunden auf der Rolle mit Zwift und Trainerroad. Aufgrund der Spezifität der Aufgabe ist dieses Rad im Abstellraum zuhause - gemeinsam mit der Rolle.
  • In meiner Jugend - quasi als radsportlicher Erstkontakt - und in den letzten jahren vor Anschaffung des Crossers, bin ich im Gelände mit dem Mountainbike gefahren. Irgendwie bin ich der Illusion erlegen, man würde am Anninger und am Eisernen Tor "mountainbiken". Ok, man kann natürlich darüber diskutieren und es werden sich auf beiden genannten Hügeln Strecken finden, die des Mountainbikens würdig sind, aber nachdem ich viele davon unter die Crosser-Reifen genommen hatte, war der Entschluss gefasst, das Mountainbike seiner eigentlichen Bestimmung zuzuführen. Der neue Wohnort des treuen Mountainbikes ist seitdem Lienz in Osttirol - praktisch, wenn man dort ein weiteres Zuhause hat. In den Lienzer Dolomiten wird das Mountainbike ab dem nächsten Frühjar beweisen müssen, dass es für größere Herausforderungen als die Schotterpisten des Wienerwalds erbaut wurde. Allerdings bezogen auf das eingangs erwähnte Platzproblem: In diesem Fall perfekt, ein Rad weniger in der Wohnung!
  • Vor zwei Wochen ist schließlich ein Bahnrad in meinem Fuhrpark aufgetaucht. Mit dem Gedanken, das Rad in den Hallen des Dusika-Stadions zurückzulassen, konnte ich mich bis jetzt nicht anfreunden. Sicher hätte das einen enormen praktischen Nutzen (Tasche packen und nach der Arbeit ins Stadion) und auch ein Rad weniger in der Wohnung, allerdings bin ich mir noch nicht 100%-ig sicher, was das Dusika in Bezug auf "Schwund" angeht. Aber wahrscheinlich wird es mir irgendwann zu blöd werden, das Rad jedes Mal mit nach Hause zu nehmen und spätestens dann wird es mit den 100 anderen (baugleichen Fujis) freudig von der Decke baumeln! Allerdings spätestens mit der Sommerpause im Dusika wird auch das Bahnrad einen sicheren und ruhigen Platz benötigen.
  • Nummer 6 ist mein verehrtes Select, feinste Wiener Mechanikerkunst aus den 70er-Jahren, erprobt auf den rauen Pfaden des Weinviertels im Rahmen der großartigen "In Velo Veritas". Aufgrund eines Speichenbruchs und meinem Unwillen, den darüberliegenden Schlauchreifen runterzulösen, steht der grüne Flitzer derzeit eher als Dekorationsobjekt herum - und zwar in meinem Büro! Was für ein eleganter Weg, einerseits Platz in der Wohnung zu schaffen und andererseits den ganzen Bürotag lang auf ein schönes Rad starren zu können...

Bleiben vier Räder, die tatsächlich in der Wohnung stehen. Es gibt ja einige coole Wege, die Räder entsprechend zu verstauen, nur in der Praxis? Es handelt sich um eine Altbauwohnung, "hängen" ist also grundsätzlich eher problematisch, wenn das Mauerwerk schon nicht willig ist, einen Bilderrahmen bei sich zu behalten. Halbe "Häng"-Lösungen mit Verankerungen an der Wand, Haken und Ösen, Seilen zum Hochzeihen an die Decke oder Ähnliches fallen auch flach. Abgesehen davon: weiße Wand - dreckiges Rad? weiße Wand - dreckiges Rad??? Clug gibts noch - meiner Meinung nach eine großartige Geschichte - supereinfache und saubere Lösung, allerdings auch den Launen des Mauerwerks ausgesetzt. Zwei Clug-Halterungen hab ich mir schon gekauft - einmal fürs Rennrad und einmal für den Crosser. Ein sanfter Klopfer auf die gewünschte Montagestelle und eine entsprechend hohle Antwort haben mich allerdings vorerst dazu veranlasst, das Ganze zu einem "Projekt für später mal" zu machen.

Jetzt stehen sie halt einfach so in der Gegend herum - und oft genug im Weg. Staubsauger holen - Rad im Weg, Kasten aufmachen - Rad im Weg, das andere Rad verwenden wollen - Rad im Weg, putzen - Rad im Weg!

Vermeintlich konstruktive Vorschläge wie "Radständer vor der Tür", "Innenhof" oder "Kellerabteil" überhöre ich gekonnt und mit stoischer Gelassenheit.

Sieht also so aus als müsste ich mit meinen Rädern weiterhin in leicht anarchischer Wohnungsgemeinschaft leben. Auf der anderen Seite auch irgendwie schön, wenn man seine liebsten Gerätschaften immer im Blick hat. Solange es nicht überhandnimmt... :)

Ich frage mich, wie meine Nachbarn das machen. Schließlich höre und sehe ich sie auch regelmäßig Stockwerk für Stockwerk mit Rad in der Hand Richtung Haustür stacksen...

(M)eine kleine Kamerakunde

 

Ein elementarer Teil unserer Radkultur - also zumindest meiner - ist, dass wir von unseren Abenteuern und Erlebnissen Fotos machen. Eine Kamera - meistens in Form eines Handys - hat man schnell einmal dabei, Fotomotive bieten sich laufend am Rand der Strecke oder in Form unserer Mitradlerinnen und Mitradler.

Bei meinen Ausflügen in die Welt der Läufer habe ich erst so richtig erkannt, was an der fotografischen Dokumentation unserer Ausfahrten dran ist, egal ob für unser Fotoarchiv, zum Teilen in einer Gruppe oder zum Verfassen in einem Blog... Läufer haben eben (meistens) keine Kameras bei der Hand während sie ihren Sport ausüben und auch Fotografieren während dem Laufen gestaltet sich nicht allzu einfach. Nach Abschluss der Aktivität ein Foto von der Strava-Aktivität zu machen (das ist eine beliebte Variante bei Läufern), wird nie das komplette Erlebnis widerspiegeln, so wie das ein tolles Foto von einer Landschaft zustandebringt, durch die wir gerade geradelt sind. Denkt man etwas näher drüber nach, tragen die Fotos, die wir machen in sehr großem Maße zur Popularität unseres Sports bei. Grund genug also, das wir uns etwas Gedanken über unsere Foto-Ausrüstung machen - daher hier ein kurzer Einblick in mein "Arsenal".

Chase Jarvis - ein spannender und kreativer Zeitgenosse - postuliert "the best camera is the one that´s with you" und sagt damit sinngemäß, "kümmere dich nicht darum, ob das Foto "gut" oder "schlecht" ist, sondern mach einfach mal". Abgesehen von der Tatsache, dass Handykamera nicht Handykamera ist, haben wir außerdem noch einige andere Möglichkeiten - je nach Einsatzzweck, kreativen Ansprüchen und Bereitschaft, (schweres) Equipment durch die Gegend zu führen.

Caught gramming... (Foto: Johannes Bousek)

Caught gramming... (Foto: Johannes Bousek)

Und noch eine Anmerkung vorab: Im Folgenden handelt es sich um mein persönliches Equipment, meine persönlichen Vorlieben und meinen Geschmack - natürlich soll und muss jede und jeder für sich selbst entscheiden, was für den gewünschten Einsatzzweck am Besten geeignet ist.

iPhone 6

Die fünf beliebtesten Kameras in der Flickr Community sind Apple iPhone 6, Apple iPhone 6s, Apple iPhone 5s, Samsung Galaxy S6 und Apple iPhone 6 Plus.

Das bestätigt im Wesentlichen den oben genannten Chase Jarvis, erst danach kommen die vermeintlichen Platzhirsche Canon, Nikon und Sony. Handy ist aber nicht gleich Handy und vor allem unter erschwerten Bedingungen (beispielsweise in der Dämmerung oder Dunkelheit) kommt manche Telefonkamera schnell an ihre Grenzen, außerdem entgeht einem so mancher Schnappschuss wegen mangelnder Einstellungsmöglichkeiten (Verschlusszeit, usw.).

iPhone 6 ohne Bearbeitung

iPhone 6 ohne Bearbeitung

iPhone 6 mit ziemlich viel Bearbeitung :)

iPhone 6 mit ziemlich viel Bearbeitung :)

Bei derartigen Aufnahmen fallen Unschärfe und/oder Rauschen nicht ins Gewicht - iPhone 6

Bei derartigen Aufnahmen fallen Unschärfe und/oder Rauschen nicht ins Gewicht - iPhone 6

GoPro Hero4

Zur GoPro (zu meiner eigenen und zu allen anderen) hab ich ein etwas gespaltenes Verhältnis. Ich finde die Idee einer kompakten, vielseitigen und leistungsfähigen Action-Cam großartig, ABER...! Wer nicht hauptberuflich Action-Videos für Red Bull dreht, jeden Tag auf einem anderen Kontinent mit dem Kajak durch reißende Ströme paddelt oder - um langsam zum Radfahren zu kommen - sich mit dem Downhiller waghalsig irgendwelche Trails runterschmeißt, der muss sich nach einer bestimmten Zeit eingestehen, dass das eigene Leben nicht genug Action bietet für eine Action-Cam... Man kann schon GoPro-Videos von seinen Mountainbiketouren aufnehmen und es mag auch dem einen oder anderen gelingen, diese so aufzumachen, dass daraus ein spannender Kurzfilm wird. Die Realität schaut aber mehrheitlich so aus, dass der Aufwand zu groß ist, wirklich etwas aus den Videos herauszuholen (Perspektiven, Bearbeitung, etc.) und außerdem - dieser Faktor wird in der Anschaffungseuphorie auch gerne ausgeblendet - wie oft schaut man sich denn ein Video von der eigenen Ausfahrt auf der Hausrunde an, die man schon auswendig kennt? Und wie verliebt oder verständnisvoll muss das Gegenüber sein, dem man seine Elaborate vorführen will?

Paris-Roubaix Sportive 2015 - Wald von Arenberg - die GoPro hält!

Paris-Roubaix Sportive 2015 - Wald von Arenberg - die GoPro hält!

Sicher ist ein Video von einem Mountainbike-Trail auf Madeira oder eine Abfahrt mit dem Renner vom Glockner spektakulär und auch durchwegs aufnehmens- und teilenswert, aber für diese zwei Erlebnisse pro Jahr eine GoPro anzuschaffen - ich weiß nicht... Ich habe mir meine GoPro beim Paris-Roubaix Sportive 2015 um die Brust geschnallt, in der Hoffnung, die Brutalität einzelner Pavé-Abschnitte für mich und für die ganze Welt zu dokumentieren. Das Video davon habe ich mir seitdem 1x (in Worten: EIN MAL) angesehen. Nicht weil es so schlecht aufgenommen oder verwackelt wäre - ich hatte es nicht notwendig, mir ein Video anzusehen, um mich daran zu erinnern. Meine Oberarme und Handgelenke haben für alle Ewigkeit jeden einzelnen Pflasterstein abgespeichert - das reicht als Dokumentation. Und wie es nicht möglich ist, ein Erlebnis wie den Wald von Arenberg in Worte zu fassen, so wenig hilft auch das Video davon, irgendjemandem die Intensität des Augenblicks zu vermitteln - also besser erst gar nicht versuchen...

Mitten im Geschehen beim Radsporfttreff "Sprint & Shoot" beim Cyclodrom - GoPro Hero4

Mitten im Geschehen beim Radsporfttreff "Sprint & Shoot" beim Cyclodrom - GoPro Hero4

Abseits des Atmosphärischen ist die GoPro Hero4 durchaus in der Lage, beeindruckende Bilder abzuliefern, egal ob als Foto oder Video. Meine persönliche Empfehlung ist, nicht den "Ultra Wide Angle"-Mode zu wählen, das ist zuviel Fisheye des Guten - zu viel Rand und zu wenig Motiv... Unterschiedliche Kamera-Halterungen und damit einhergehend abwechslungsreiche Perspektiven machen die Sache spannender, als 30 Minuten lang den eigenen Hinterreifen zu filmen. Wobei 30 Minuten mit einem Akku wären eh schon gut ;)

GoPro Hero4

GoPro Hero4

GoPro Hero4

GoPro Hero4

Ricoh GRII

Eine Empfehlung von Philipp Forstner - der muss wissen, wovon er spricht! - hat mir meine derzeit allerliebste Kamera beschert. Klein, unauffällig, einfach zu bedienen und gleichzeitig mächtig genug, großartige Bilder zu produzieren.

Ricoh GRII

Ricoh GRII

Ricoh ist eine der altehrwürdigen Firmen aus analogen Film-Zeiten, irgendwie dann aber bei Büromaschinen und Druckern gelandet. Diverse Umfirmierungen und Spartenwechsel später und garniert mit Know-How von Pentax, ist die Ricoh GR Digital ein Geheimtipp unter Fotografen, vor allem jenen, die sich auf Street Photography spezialisiert haben. Hier spielt die Kamera ihre Stärken aus - klein, unauffällig und sehr leise - "Stealth Modus" quasi.

Ricoh GRII ohne jegliche Bearbeitung

Ricoh GRII ohne jegliche Bearbeitung

Beim Radeln ist das an sich egal, für mich liegen die Stärken der Kamera in der Kompaktheit, die Bedienung mit einer Hand ist problemlos möglich (und damit das Herausfischen aus der Trikottasche, abdrücken und wieder verstauen) und der Sensor bringt großartige Fotos hervor in Bezug auf Auflösung, Dynamic Range usw. Die direkten Konkurrenten in diesem Segment haben entweder einen kleineren Sensor (Canon GX7) oder bauen entsprechend größer (Fuji X70 oder X100T).  Die in der Ricoh verbaute Fixbrennweite mit 28mm ist ideal für weitwinkelige Rad- und Landschaftsaufnahmen ohne dabei in eine Fisheye-Optik zu kippen.

Im Dusika-Stadion bei ISO3200 wird's schon eher kritisch mit der Ricoh GRII

Im Dusika-Stadion bei ISO3200 wird's schon eher kritisch mit der Ricoh GRII

Mit Stilmitteln wie Bewegungsunschärfe kann man über mögliche "Mängel" hinwegtäuschen - Ricoh GRII

Mit Stilmitteln wie Bewegungsunschärfe kann man über mögliche "Mängel" hinwegtäuschen - Ricoh GRII

Für mich die beste "Immer-dabei-Kamera" und Fixbestandteil meiner Radausrüstung - immer in meiner rechten Trikottasche!

Sitzt! Ricoh GRII

Sitzt! Ricoh GRII

Canon 5D Mark III + Canon EF 24mm f/2.8 IS USM

Frage 1: Will man tatsächlich zwei Kilo Ballast mit sich herumschleppen beim Radeln?

Frage 2: Zahlt sich das aus für ein "normales" Foto von einer Ausfahrt?

Zwei Kilo Kamera auf den Glockner raufschleppen? Canon 5D III

Zwei Kilo Kamera auf den Glockner raufschleppen? Canon 5D III

Der Autofokus der Canon 5D III ist eine Klasse für sich

Der Autofokus der Canon 5D III ist eine Klasse für sich

Wenn man die zuvor beschriebene Ricoh GR II hernimmt, ist alles, was darüber hinausgeht, eigentlich "mit Kanonen auf Spatzen schießen". Einem viel höheren Gewicht und Preis steht schon eine bessere Bildqualität gegenüber - doch ist das verhältnismäßig? Ich hab die Canon einige Male bei Ausfahrten mitgehabt, meistens in der Vorahnung, tolle Motive oder Situationen vorzufinden. Einige Male ist das eingetreten , andere Male nicht - umsonst geschleppt. Schwierige Lichtsituationen? Dunkelheit? Sicher kann die 5D bei wenig Licht noch mehr bewirken, andererseits gibts genügend Kniffe und künstlerische Mittel, auch mit weniger ISO-Power noch etwas aus einem Bild herauszuholen - es geht ja schließlich nicht darum, plakatgroße Werbesujets zu produzieren.

Hier war es schon dunkler, als es den Anschein erweckt. Der Vollformat-Sensor der Canon 5D III holt hier noch einiges mehr aus den Fotos heraus!

Hier war es schon dunkler, als es den Anschein erweckt. Der Vollformat-Sensor der Canon 5D III holt hier noch einiges mehr aus den Fotos heraus!

Wieder im Dusika-Stadion bei gleicher ISO-Zahl 3200 - beginnendes Rauschen ja, aber merklich besser bei der Canon 5D III (im Vergleich zur Ricoh oben)

Wieder im Dusika-Stadion bei gleicher ISO-Zahl 3200 - beginnendes Rauschen ja, aber merklich besser bei der Canon 5D III (im Vergleich zur Ricoh oben)

Einfach Antwort daher: Nein, zahlt sich aus meiner Sicht nicht aus, die kleinere Kamera reicht mir für 99% der Fälle - dafür habe ich bei 99% der Ausfahrten keine dicke Kamera um meinen Rücken geschnallt. Anders natürlich bei Veranstaltungen und Rennen - als Zuschauer kann man ruhig die schweren Geschütze auffahren...

Möge jeder selbst entscheiden: Einmal Canon 5D III...

Möge jeder selbst entscheiden: Einmal Canon 5D III...

... und einmal Ricoh GRII

... und einmal Ricoh GRII

Filter & Nachbearbeitung?

Ich habe mich kürzlich dabei ertappt, hunderte Fotos auszumisten, die ich vor einigen Jahren mit einer App gemacht habe, die sämtliche Bilder mit einem mehr oder weniger kunstvollen Rahmen und einem Vintage-Filter belegt hat. Einen ganzen Lissabon-Aufenthalt hab ich mit einer Foto-App namens "CrossProcess" dokumentiert - durchwegs tolle Fotos, alle jedoch mit einem Filter, der den Test der Zeit vermutlich nicht bestehen wird. Schließlich sagt mir meine Instagram-Statistik, dass ich 97% meiner Fotos ohne Filter hochlade. Mein persönliches "No-Filter"-Statement!

Völlig absurd, würde man über dieses Morgenlicht (ca. 07:30) am Berg noch einen Filter drüberlegen... #nofilter Canon 5D III

Völlig absurd, würde man über dieses Morgenlicht (ca. 07:30) am Berg noch einen Filter drüberlegen... #nofilter Canon 5D III

Nachbearbeitung ist jedoch in meinen Augen ein elementarer Bestandteil. Dabei rede ich nicht von weg- und hineinretuschieren und plötzlichen Gewichtszu- oder -abnahmen der beteiligten Personen. Aber kleine und feine Nachbesserungen und Regelungen an Ausschnitt, Belichtung und Kontrast sind das Salz in der Suppe und machen auch in der Wahrnehmung der Fotos den Unterschied.

Wohin geht die Reise?

"Video ist das neue Foto" hört man da und dort, aber das Konzept von Youtube und die damit einhergehende Art, Inhalte zu konsumieren, ist mir manchmal noch immer etwas suspekt. Drohnen fliegen bei Events durch die Lüfte und zeichnen Bilder aus Perspektiven auf, die den Blick auf die Dinge verändern können. Das alles kommt wohl in irgendeiner Art und Weise (oder ist schon da?) und wird die Art und Weise verändern, wie wir Bilder sehen oder aber unsere Erwartungen an "gute" Aufnahmen verändern... Was auch immer da kommen mag, es wird eine Bereicherung sein, aber das klassische Foto wohl nicht verdrängen.

Und was man bei aller Aufzeichnungswut nicht vergessen sollte, ist ab und zu einfach KEIN Foto zu schießen oder KEIN Video aufzunehmen sondern einfach den Moment zu genießen. Durch die eigenen Augen schaut alles noch immer am Besten aus und manche Eindrücke speichert man besser im eigenen Gehirn als auf Facebook - das ist jedenfalls nachhaltiger!

Manchmal ist "einfach nur schauen" besser als jedes Foto...

Manchmal ist "einfach nur schauen" besser als jedes Foto...

Lanzarote

Letztes Jahr hab ich den Jahreswechsel auf Lanzarote verbracht. Wer für dieses Jahr noch auf der Suche nach Ideen ist oder sich inspirieren lassen möchte, hier ein kleiner Erfahrungsbericht.

Ich hab ja wenig bis keine Erfahrung was das Radeln auf den „klassischen“ Inseln betrifft (Mallorca hab ich bis jetzt ausgelassen aber das kommt sicher bald). Außerdem war mein Aufenthalt auf Lanzarote als Entspannungsurlaub und Besuch von Freunden ausgelegt. Der Plan, dort auch in die Pedale zu treten kam erst relativ spät – von daher war die Reise auch nicht rund ums Rad geplant. Im Nachhinein betrachtet, hätte ich in diesem Fall ein paar Sachen anders gemacht...

Lanzarote hab ich im Vorfeld der Reise nicht als „DIE“ Radinsel wahrgenommen. Die World Tour-Teams trainieren woanders und auch die meisten Radler in meinem Umfeld zieht es wenn dann nach Mallorca. Umso überraschender war – einmal auf der Insel angekommen – die riesige Anzahl an Radlern, die sich dort tummeln. Ambitionierte Großgruppen, Familien, tief(f)liegende Zeitfahrer und Triathleten, Alt & Jung, aus aller Herren Länder – aus dem Grüßen bin ich nicht mehr herausgekommen. Die schiere Masse hat positive Konsequenzen: Es ist (fast) immer genug Platz auf der Straße in Form von Seitenstreifen, auf denen man relativ unbehelligt seine Kreise ziehen kann und Autofahrer nehmen großteils Rücksicht und halten entsprechend Abstand.

Lanzarote ist nicht sehr groß! Das hat zur Folge, dass man relativ schnell einen Überblick gewonnen hat und auch in kurzer Zeit die Insel erkundet (=abgefahren) hat. Es gibt zahlreiche kleine Verbindungsstraßen, sodass genug Möglichkeiten zur Variation vorhanden sind und immer wieder Neues entdeckt werden kann, die Hauptachsen braucht man jedoch immer wieder – das kann vielleicht etwas langweilig werden, wenn man länger unterwegs ist.

Mitunter auch deshalb, weil die Topographie der Insel tückisch ist. Das beginnt beim Faktum, dass in einer Landschaft ohne Hindernisse Straßen einfach geradeaus gebaut werden – Lange! Geradeaus! Die Asphaltbänder ziehen sich daher öfters wie ein einziger gerader Strich bis zum Horizont bzw. bis zum nächsten Vulkankegel. Hinzu kommt, dass es auf Lanzarote so gut wie keinen Meter ohne Neigung gibt! Es geht eigentlich permanent mit 2-6% Steigung/Gefälle dahin, mit dem Ergebnis, dass man auf einer 70-80 km-Runde immer locker über 1000 hm kommen wird.

Als Sahnehäubchen oben drauf weht auf Lanzarote beständiger Wind in unterschiedlicher Stärke und aus unterschiedlicher Richtung. Die meiste Zeit kann man diesen Wind als angenehme Kühlung während des Fahrens aus den Gedanken streichen, allerdings sollte man Acht geben, wenn der Wind auf 50-70 km/h auffrischt. Die Streckenwahl sollte dann wohl durchdacht sein. Auf einer meiner Runden war es großartig, in der (Fast-Ebene) sechs Minuten lang mit 65 km/h zu fahren, aber für solchen Leichtsinn bekommt man spätestens am Rückweg eine saftige Rechnung präsentiert.

Wirft man das nun alles zusammen, bekommt man folgendes: Lange Geraden, „falsche Ebenen“, wenig Ablenkung, Wind. Für mich persönlich bedeutet das, man benötigt eine gewisse Grundkondition und –ausdauer und vor allem auch einen halbwegs „gefestigten Charakter“ oder einfach gute Nerven, damit es mit dem Rennrad auf Lanzarote Spaß macht. Dafür macht es dann sehr viel Spaß!

Highlights sind die Fahrt durch den Timanfaya Nationalpark (geradeaus!), „die eine“ Bergstraße mit Serpentinen sowie die übrigen Straßen rund um Haría im Norden, sowie die Verbindung von Ye nach Orzola. Den Südosten der Insel rund um Arrecife kann man meiner Ansicht nach meiden – außer Hauptstadt, Industrie, Flughafen und Ring“autobahn“ gibt’s dort nicht viel zu sehen. Der Asphalt ist zu 90% glatt und in hervorragendem Zustand, die übrigen 10% stellen dafür die strukturelle Integrität des Fahrrads auf die Probe (diesbezügliche Tiefpunkte: alte Bundestraße von Las Brenas nach Yaiza und die Verbindung zwischen Guatiza und Teguise über Teseguite). Da krachts und schepperts im Carbon!

Max Huerzeler bietet zu fairen Preisen (190 EUR für 12 Tage inkl. Versicherung) top eingestellte Centurion Carbon-Renner mit Ultegra-Ausstattung, der Kontakt war eher kühl aber absolut ausreichend – mehr Service hab ich (Gott sei Dank) auch nicht gebraucht. Einzig die gefühlt tonnenschweren Laufräder waren zu bemängeln – allerdings gut für den Trainingseffekt und stellenweise eben offenbar auch strukturell notwendig. :)

Monumento del Campesino (Manrique)

Monumento del Campesino (Manrique)

Steigt man vom Rad ab, gibt’s auf Lanzarote sanften Tourismus (bis auf ein paar Hotelburgen im Osten und eine deutsch/englisch/holländische Massentoursimus-Enklave im Süden (Playa Blanca). An allen Ecken stehen Museen und Skulpturen von César Manrique, die definitiv einen näheren Blick wert sind ("Jameos del Agua" für alle, die schon immer eine Behausung wie ein James Bond Bösewicht haben wollten!) . Die Vulkanlandschaft ist zuerst fast abschreckend und etwas eintönig (gewisse Ähnlichkeiten zum Star Wars-Planeten Tatooine sind vorhanden), offenbart aber nach einigen Tagen ihre Schönheit und einige sehr reizvolle Aspekte. Wer noch mehr Ruhe braucht, dem sei ein Ausflug mit der Fähre auf die kleine Insel La Graciosa (nördlich vor Lanzarote) ans Herz gelegt!

Jameos del Agua (James Bond lässt grüßen)

Jameos del Agua (James Bond lässt grüßen)

Mein Fazit: Lanzarote ist als Insel zum flotten Radeln sehr zu empfehlen, sofern eine gewisse Grundausdauer und vor allem gute Nerven vorhanden sind! Ich persönlich würde beim nächsten Mal vielleicht den Crosser nehmen, damit erweitert sich der Aktionsradius glaub ich sehr, da die zahlreichen Schotterspisten mitgenützt werden können – damit würden viel mehr Routenoptionen offenstehen.

Meine Strava Heatmap - Lanzarote

Meine Strava Heatmap - Lanzarote

DIE EINE Radrunde

Wenn du nur einen Versuch hättest?

Ich bekomme Besuch aus Kärnten - rennradfahrenden Besuch! Zwar sind wir gemeinsam noch nicht allzu viele Runden gefahren (dafür ist meistens ein Urlaub notwendig), aber die bisherigen Erlebnisse waren allesamt sehr besonders!

Ich wurde perfekt und auf tollen Nebenstraßen durch den Großraum Klagenfurt geführt, zwischen den östlichen Karawankenausläufern durchgeleitet (Koschuta, Schaidasattel) und auf der anderen Seite im Windschatten bis nach Osttirol gezogen. Über die Landschaft in Kärnten und Osttirol lässt sich nicht streiten, es ist dort einfach wunderschön - mit ortskundiger Begleitung umso mehr!

Diesmal gehts aber in die andere Richtung - der Gastgeber wird zum Besucher und ich freu mich darauf, den Rennrad-Guide für Wien zu spielen. Womit ich schon im Dilemma stecke... Welche Strecke nimmt man dafür her? Ich hab mich das auch bei Rennrad-Magazinen schon öfters gefragt. Irgendjemand sucht mehr oder weniger willkürlich Strecken aus und diese gelten dann stellvertretend für eine ganze Region oder Stadt - große Verantwortung! Auf der anderen Seite hab ich auch schon mal den Fehler gemacht, einem Freund ALLE Schönheiten und Strecken einer Gegend auf einmal zeigen zu wollen - der Spaß ist ob der großen Anstrengung dann etwas auf der Strecke geblieben.

Lösungsansätze?

Eine der schönsten Spielereien von Strava sind die sogenannten Heatmaps. Diese sind normalerweise Premium-Mitgliedern vorbehalten, zeigen aber sehr anschaulich wo man selbst wie oft gefahren ist (nett anzusehen beispielsweise als Jahresrückblick) und wo alle anderen Strava-User sich üblicherweise herumtreiben (ideal für die Routenplanung). Im Sinne einer Leistungsschau veröffentlicht Strava aber in regelmäßigen Abständen eine frei zugängliche "Global Heat Map" - eine kartographische Darstellung ALLER auf Strava hochgeladenen Aktivitäten - ein Traum für Kartenfreunde wie mich!

Wiener Ausschnitt aus der Global Heat Map von Strava (Link siehe oben)

Wiener Ausschnitt aus der Global Heat Map von Strava (Link siehe oben)

Holt man sich den Wiener Raum näher heran, wird klar, DIE Wiener Radrunde ist Greifenstein und zurück! Unbefriedigend, ist das doch nicht gerade die attraktivste Ecke unserer Stadt! Beim näheren Hinsehen wird aber klar, welche Segmente auf "dieser einen" Radrunde liegen müssen: Exelberg, Sophienalpe, Steinriegl, Dopplerhütte, Tulbingerkogel - die üblichen Verdächtigen! Die Wiener Rennradlerinnen und Rennradler haben einen guten Geschmack - und auch der "Vienna International Cycle Club" hat auf seinen Trikots das Best-of des Wienerwalds verewigt!

Wobei es muss ja nicht zwangsläufig der Wienerwald sein - jemandem die "Berge" zu zeigen, der sie zuhause vom Küchenfenster aus jeden Tag sieht? Weinviertel - im Winter kalt und windig. Lobau und Auen - eher Crosser-Territorium. Richtung Süden - Richtung Mödling und Baden viel Verkehr auf den Straßen. Oder gleich eine größere Runde draus machen und weiter in den Wienerwald vorstoßen?

Mit der Bereitschaft, ein paar Kilometer mehr unter die Räder zu nehmen, erhöht sich die Vielfalt enorm. Und man dringt in einen tieferen, "wilderen", urigeren Wienerwald vor. Die Hügel werden zu echten Bergen, die Landschaft ist nicht mehr so weichgespült, die Mienen der Menschen am Straßenrand signalisieren Unverständnis für alles, was nicht körperliche Arbeit ist - Radfahren... Pfff...

Die Belohnung für diese extra 20 Kilometer besteht in einem physischen und psychischen Abkoppeln vom Großraum Wien - man ist "am Land", man ist wie auf Urlaub, in einer anderen Gegend & Landschaft! Aber dazu ein anderes Mal mehr - für den Moment muss ich mir eine Route über Sophienalpe, Tulbinger Kogel und Dopplerhütte zurechtzimmern!

Bahn frei!

#gofastturnleft

Meine Facebook-Timeline ist ohnehin immer voll mit Rad-Content, aber zu Radfotos, Cyclocross-Rennen und Produkttests haben sich in letzter Zeit ganz stark Bahn-Inhalte gesellt! In "unseren" Facebook-Gruppen fährt gefühlt jeder Zweite gerne im Kreis, die Strava-Aktivitäten meiner Freunde weisen keine Routen mehr auf sondern nur noch eine Kilometeranzahl, die teils mit einem wahnsinnigen Durchschnitts-Tempo durchmessen werden.

Irre, was für eine Dynamik unser Lieblingssport in den letzten Jahren bekommen hat. Cyclocross war vor einigen Jahren einer quasi geheimen und abgeschlossenen Gruppe von "Irren" vorbehalten, die sich auch im Winter bei Matsch und Kälte ins Gelände bewegt haben. Wird heute eine Crosser-Ausfahrt ausgeschrieben, kann jeder mitfahren! Jeder hat einen Crosser, es ist wunderbar, dass wir unsere Gruppenfahrten unabhängig von Material und Terrain machen können! (Und die Radgeschäfte freut das auch) ;) Ähnlich verhält es sich im Moment scheinbar mit dem Bahnradsport. Jahrelang ein Dasein als Mauerblümchen gefristet und jetzt zu voller Blüte erstrahlend! 

Wer überhaupt nicht weiß, wo man beginnen soll, findet Hilfe - so hab ich es am Beginn auch getan - in einer der zahlreichen Facebook-Gruppen zum Thema Bahnradsport. Und da ist noch nicht die Rede von Madison-Regeln, Linienfarben und der Cote d´Azur, sondern eher von elementaren Fragen wie "Wo ist die Eingangstür des Dusika-Stadions?".

Nächste Anlaufstelle ist der Österreichische Radsportverband - Trainingslizenz und Zugangskarte! Eigentlich wollte ich ja ein Schnuppertraining absolvieren, bevor ich mich dafür entscheide, ein Rad zu kaufen und das ganze Bahn-Projekt so richtig zu starten. Bernhard Kohl und Florian Posch (posh cycling) bieten derartige Events in regelmäßigen Abständen an. Aber - und da sind wir wieder beim Boom, der da im Moment passiert - diese Kurse sind heiß begehrt und die Startplätze knapp. Nachdem ich terminlich nichts Passendes für mich gefunden habe, und mir Lukas, der Racer meines Vertrauens, mitgeteilt hat "Das ist super!", waren für mich keine Argumente und Schnupperstunden mehr notwendig!

Was fehlt noch? Ach, ja! Ein Bahnrad! Das Internet hat es mir nicht leicht gemacht, einen Überblick über vorhandene Modelle zu bekommen. Zu tief sind die Bahnräder teilweise in irgendwelchen Untermenüs versteckt, oft auch den "normalen" Rennrädern zugeordnet, von anderen Marken hab ich vorher noch nie gehört. Ich entscheide mich für ein Fuji Track Pro! Ein Blick in die Garderoben bestätigt, hier habe ich offenbar nicht allzu viel falsch gemacht. Die Herausforderung wird in Zukunft eher sein, das eigene Rad zwischen den vielen gleichen Modellen wiederzufinden!

Also rauf auf die Bahn! Die starre Übersetzung stellt mich vor keine großen Herausforderungen. Mein diesbezügliches Lehrgeld hab ich vor einigen Jahren schon auf Wiens Straßen bezahlt, da hab ich mir eingebildet, mit dem Fixie durch die Stadt fahren zu müssen. Die Steilkurven sind schon eher tricky - zumindest die ersten paar Runden. Ich war ja schon einige Male als Zuschauer in der Halle, aber aus der Fahrerperspektive schaut das dann doch alles etwas anders - und vor allem steiler  - aus. Es trägt mich in den ersten Kurven Richtung Innenfeld hinunter, es dauert ein paar Runden, bis das Vertrauen in die "Schrägfahrt" und die Haftung der Reifen da ist. Ein kleiner Schlenker beim Kurvenausgang, wo es wieder gerade wird. 

Ich rolle gemütlich meine ersten Runden durchs Stadion, werde rechts in der Kurve überholt - ein spannendes Gefühl, wenn der überholende Fahrer plötzlich einen halben Meter rechts über der Schulter erscheint. Die ersten Eindrücke sind spannend - ich genieße sie. Man wird ja sehr schnell routinierter und vergisst ohnehin immer viel zu schnell, wie sich etwas beim ersten Mal angefühlt hat.

Im Windschatten gehts mit einer kleineren Gruppe ein paar Mal im Kreis, diesmal wird das Tempo erhöht. Ich hab keinen Tacho oder Garmin am Rad - um den Geschwindigkeitssensor hab ich mich nicht mehr rechtzeitig gekümmert. Nach dem Ausrollen sagt man mir, dass wir mit über 40 km/h durchs Oval gezogen sind - ist das viel oder wenig? Angefühlt hat es sich gut und flott. In der warmen Luft im Stadion kommt man schon ordentlich ins Schwitzen, die Trockenheit der Luft ist auch nicht ohne. 

Ausrollen auf der Innenbahn, Ausklicken, Rad in den Hänger stellen und hinsetzen. Der soziale Faktor des Bahnradfahrens war mir bisher nicht bewusst. Zeit, kurz mit den Anderen zu plaudern, am Rad herumzubasteln, etwas zu trinken. Achtung nur, dass die Zeit am Rad noch größer ist, als die Zeit, in der man plaudert!

Ich bin definitiv auf den Geschmack gekommen, freu mich jetzt schon auf meine nächste "Ausfahrt" - wie nennt man das denn eigentlich? In der nächsten Zeit möchte ich herausfinden, was und wie man auf der Bahn am Besten trainiert, wie das mit dem Gruppenfahren funktioniert - mich fasziniert die Dynamik, die bei einem Bahnrennen herrscht und den Überblick, den man braucht, um das Geschehen halbwegs überblicken zu können - und mich auch mit meinen Mitradlern austauschen und lernen!

Bahn-ÖM im September

Bahn-ÖM im September

Und als langfristigeres Projekt oder Ziel werde ich mich am 16.12.2016 von der 3. Auflage des Wiener Bahn-O-Rama inspirieren lassen - einer Initiative, die dem wachsenden Interesse am Bahnradsport in Wien auf beeindruckende Weise Rechnung trägt - der Ansturm an Teilnehmenden gibt den Veranstaltern recht!

Ich freue mich, euch auf der Bahn zu treffen! In diesem Sinne #gofastturnleft

Premiere!

Juhuu! Noch ein Radblog! ;)

Es hat sich einiges getan in den letzten Monaten! Wo gerade noch ein abgehalftertes Beisl war steht der nächste hippe Radladen. Zahlreiche Facebook-Gruppen sprießen und erblühen zu voller Größe - wir machen uns dort gerne alle möglichen Ausfahrten und Wettbewerbe aus, diskutieren über technische Details und helfen uns auch mal gegenseitig aus der Patsche. Radfahren ist außerdem zu einem bedeutenden (oder noch bedeutenderen) Wirtschaftszweig geworden, es ist toll, wieviel Auswahl man heute für Räder oder Teile hat und es tut gut, zu sehen, dass auch kleine Firmen und "Start-ups" am Markt mitmischen und sich mit neuen Medien entsprechend Gehör verschaffen können.

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Radfahren ist meine Leidenschaft und mein liebster Zeitvertreib! Wie die meisten aus dem Radsporttreff bereits wissen, ist es nicht unbedingt mein Metier, um Bestzeiten und Kings-of-the-Mountain mitzufahren, ich habe einen Wattmesser aber trainiere so gut wie nie danach, ich fahre meistens mein Tempo (egal ob das für manche zu schnell oder langsam ist) und bei Rennen gehts mir eher um das Erlebnis als um die Platzierung (ob 145. oder 147. ist eigentlich egal...).

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Für mich zählen eine tolle Landschaft, nette Leute, mit denen ich meine Erlebnisse teilen kann, Erinnerungen, die länger halten als ein oder zwei Tage und das eine oder andere Foto. Fotos sind für mich der beste Weg und mein Sprachrohr, um meinen Freunden und allen Anderen zu zeigen, warum ich diesen Sport so liebe!

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Auf Instagram hab ich die letzten Monate viele von meinen Erinnerungen und Erlebnissen geteilt und freue mich, dass diese dort Gefallen finden. Instagram gewährt mir jedoch nur einige wenige Zeilen, um Gedanken zu diesen Fotos loszuwerden. Und als Instagram-User weiß ich auch, dass man nur selten liest, was unter den Fotos steht... - Scroll - Scroll - Like - Scroll - Like...

Seit kurzer Zeit habe ich die Ehre, für den besten Laufshop Wiens Runinc. Blogbeiträge zu verfassen. Auch dort gehts mir in erster Linie ums Erlebnis, Fotos haben in der Laufwelt keine so große Verbreitung wie bei uns Radlern, daher ist es spannend, dort die visuelle Komponente extra zu betonen. Der Runinc.-Blog gibt mir außerdem die Möglichkeit, etwas zu den Bildern zu sagen, womit wir als logische Konsequenz hier bei diesem Blog gelandet sind! :)

Ich habe vor, hier meine Linie fortzusetzen. Ich werde nicht über Watt und Gramm berichten, keine Windkanaltests durchführen und nicht mit fünf verschiedenen Rädern einen Rundkurs abfahren. Ich möchte euch weiterhin von meinen Erlebnissen und Gedanken berichten, mit Fotos aber auch mit etwas Text! Darauf freue ich mich sehr!